Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) gehört zu den häufigsten und zugleich am meisten unterschätzten Erkrankungen weltweit. Viele Betroffene nehmen Symptome wie Husten, Auswurf und zunehmende Atemnot zunächst nicht ernst – dabei ist eine frühzeitige und gezielte Therapie entscheidend, um den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen.
In unserer Praxis Physiotherapie am Sendlinger Tor liegt ein besonderer Schwerpunkt auf der Atemtherapie. In diesem Artikel erklären wir, wie COPD entsteht, welche physiotherapeutischen Maßnahmen wir einsetzen – und was Sie selbst aktiv tun können, um Ihre Lebensqualität deutlich zu verbessern.

Was ist COPD?
COPD ist eine chronische Erkrankung der Atemwege, bei der es zu einer dauerhaften Verengung der Bronchien kommt. Die Folge: Die Luft kann nicht mehr ungehindert ein- und vor allem ausströmen.
Typische Symptome sind:
- Atemnot (anfangs bei Belastung, später auch in Ruhe)
- Chronischer Husten
- Auswurf („Raucherhusten“)
- Verminderte körperliche Belastbarkeit
Häufigste Ursache ist das Rauchen, aber auch Luftverschmutzung oder berufliche Belastungen können eine Rolle spielen.
Wichtig zu wissen: COPD ist nicht heilbar, aber sehr gut behandelbar – insbesondere durch gezielte physiotherapeutische Maßnahmen.
Warum ist Physiotherapie bei COPD so wichtig?
Viele Patienten denken bei COPD zunächst an Medikamente oder Inhalationen. Was oft unterschätzt wird: Die Physiotherapie ist ein zentraler Bestandteil der Behandlung.
Ziele der Atemtherapie sind:
- Verbesserung der Belüftung der Lunge
- Erleichterung der Atmung
- Reduktion von Atemnot
- Förderung des Sekrettransports
- Steigerung der körperlichen Leistungsfähigkeit
Gerade bei fortgeschrittener COPD kann eine gezielte physiotherapeutische Behandlung den Alltag massiv erleichtern.
Atemtherapie bei COPD: Unsere physiotherapeutischen Behandlungsmethoden
1. Atemtechniken – Kontrolle über die Atmung zurückgewinnen
Ein zentraler Bestandteil der Therapie ist das Erlernen spezieller Atemtechniken:
Lippenbremse (dosierte Lippenbremse)
Sie verlängert die Ausatmung und verhindert das „Zusammenfallen“ der Bronchien. Dadurch bleibt mehr Luft in Bewegung – die Atmung wird ruhiger und effektiver.
Zwerchfellatmung (Bauchatmung)
Viele COPD-Patienten atmen überwiegend flach in die Brust. Wir trainieren gezielt die Aktivierung des Zwerchfells, um die Atmung zu vertiefen.
Atemrhythmus-Schulung
Die Atmung wird an Bewegungen angepasst – z. B. Einatmen beim Aufrichten, Ausatmen bei Belastung.
👉 Ziel: Weniger Atemnot bei alltäglichen Aktivitäten.

2. Sekretmobilisation – besser abhusten, freier atmen
Viele COPD-Patienten leiden unter zähem Schleim, der die Atmung zusätzlich erschwert.
Wir setzen verschiedene Techniken ein:
- Autogene Drainage (gezielte Atemtechnik zur Schleimlösung)
- PEP-Systeme (z. B. Flutter, RC-Cornet)
- Vibrationen und Klopftechniken
- Lagerungsdrainagen
👉 Ziel: Sekret lösen, Abhusten erleichtern und Infektionen vorbeugen.
3. Atemerleichternde Positionen
Schon die richtige Körperhaltung kann einen großen Unterschied machen:
- Kutschersitz
- Torwartstellung
- Abstützen der Arme zur Entlastung der Atemhilfsmuskulatur
Diese Positionen werden intensiv geübt, sodass sie im Alltag automatisch angewendet werden können.
👉 Ziel: Sofortige Linderung bei Atemnot.

4. Training der Atemmuskulatur
Die Atemmuskulatur ist bei COPD oft geschwächt und gleichzeitig überlastet.
In der Therapie wird folgendes verbessert:
- Kraft der Atemmuskulatur
- Ausdauer
- Atemökonomie
👉 Ziel: Mehr Luft bei weniger Anstrengung.
5. Bewegungstherapie – der unterschätzte Schlüssel
Ein häufiger Fehler: Patienten vermeiden Bewegung aus Angst vor Atemnot.
Das Gegenteil ist richtig.
Wir entwickeln individuelle Trainingsprogramme:
- Ergometertraining
- Gehtraining
- Krafttraining
- Alltagsbelastungstraining
👉 Ziel: Verbesserung der Belastbarkeit und Reduktion der Atemnot im Alltag.
Was können Sie selbst tun? – Ihr aktiver Beitrag bei COPD
Die beste Therapie bringt wenig, wenn sie nicht im Alltag umgesetzt wird. Deshalb ist Ihr eigener Beitrag entscheidend.
1. Bewegung – unbedingt!
Regelmäßige Bewegung ist einer der wichtigsten Faktoren überhaupt.
Empfehlungen:
- 3–5x pro Woche Ausdauertraining (z. B. Gehen, Radfahren)
- Moderate Intensität (Sie sollten noch sprechen können)
- Kombination mit Krafttraining
👉 Wichtig: Atemtechniken (z. B. Lippenbremse) während der Belastung einsetzen.

2. Ernährung – unterschätzt, aber entscheidend
Viele COPD-Patienten haben entweder:
- Untergewicht (hoher Energieverbrauch durch Atmung)
oder - Übergewicht (erschwert die Atmung zusätzlich)
Empfehlungen:
- Eiweißreiche Ernährung (wichtig für Muskulatur)
- Kleine, häufige Mahlzeiten
- Vermeidung stark blähender Lebensmittel
- Ausreichend Flüssigkeit (wichtig für Schleimlösung)
👉 Ziel: Optimale Unterstützung der Atemmuskulatur.
3. Rauchstopp – der wichtigste Schritt
So banal es klingt:
Ohne Rauchstopp ist jede Therapie nur begrenzt wirksam.
Bereits wenige Wochen nach dem Aufhören verbessern sich:
- Lungenfunktion
- Durchblutung
- Belastbarkeit
4. Atemübungen im Alltag integrieren
Regelmäßigkeit ist entscheidend.
Beispiele:
- Lippenbremse beim Treppensteigen
- Bewusstes Atmen beim Gehen
- Atemübungen morgens und abends
👉 Schon wenige Minuten täglich können einen großen Unterschied machen.
5. Infekte vermeiden
COPD-Patienten sind anfälliger für Atemwegsinfekte.
Tipps:
- Regelmäßiges Händewaschen
- Impfungen (Grippe, Pneumokokken)
- Frühzeitige Behandlung bei Infekten
Fazit: COPD aktiv behandeln – Lebensqualität zurückgewinnen
COPD ist eine chronische Erkrankung – aber sie bedeutet nicht, dass Sie sich Ihrem Zustand hilflos ausgeliefert fühlen müssen.
Die Kombination aus:
- gezielter Atemtherapie
- individuell angepasster Physiotherapie
- aktiver Mitarbeit im Alltag
kann Ihre Lebensqualität deutlich verbessern.
In unserer Praxis Physiotherapie am Sendlinger Tor begleiten wir Sie mit einem klaren Schwerpunkt auf moderner Atemtherapie – individuell, strukturiert und alltagsnah.


