Wie hilft die Bobath-Therapie nach einem Schlaganfall?
Nach einem Schlaganfall ist die Verbindung zwischen Gehirn und Muskulatur gestört, nicht die Muskulatur selbst. Die Bobath-Therapie nutzt die Fähigkeit des Gehirns zur Umorganisation und bahnt Bewegungen so an, dass gesunde Hirnareale die Steuerung schrittweise übernehmen.
Das Prinzip in der Praxis:
– Die betroffene Körperseite wird bewusst einbezogen statt umgangen. Wer ausschließlich mit der gesunden Seite kompensiert, verstärkt die Vernachlässigung der betroffenen Seite.
– Bewegungen werden in alltagsnahen Zusammenhängen geübt – Aufstehen, Greifen, Anziehen – nicht als isolierte Muskelübung. Das Gehirn lernt in Handlungen, nicht in Einzelbewegungen.
– Die Unterstützung wird so dosiert, dass Sie so viel wie möglich selbst leisten. Zu viel Hilfe verhindert Lernen, zu wenig führt zu Ausweichbewegungen.
– Haltungskontrolle und Rumpfstabilität kommen vor Feinmotorik. Ohne stabile Basis ist zielgerichtetes Greifen nicht möglich.
– Erhöhter Muskeltonus wird nicht gedehnt, sondern über Lagerung, Anbahnung und Handling reguliert.
Zur zeitlichen Einordnung: Die größten Fortschritte zeigen sich meist in den ersten Wochen bis Monaten, weil die Umbauprozesse im Gehirn dann am aktivsten sind. Verbesserungen sind aber auch Jahre nach dem Ereignis noch möglich – entscheidend ist die Häufigkeit der Wiederholung.
Bobath ist heute weniger ein starres Konzept als ein Denkansatz, der mit aktuellen Erkenntnissen aus der Neurorehabilitation kombiniert wird, etwa intensivem repetitivem Training.