Ist Manuelle Therapie bei einem Bandscheibenvorfall sinnvoll?
Ja, in den meisten Fällen – allerdings mit angepasster Technik. Nicht jede manuelle Behandlung ist bei einem Bandscheibenvorfall geeignet, und die Auswahl richtet sich danach, ob und wie stark Nervenstrukturen beteiligt sind.
Was in der Regel gut funktioniert:
– Entlastende Techniken und Traktion, um Druck von der betroffenen Struktur zu nehmen
– Mobilisation der angrenzenden Wirbelsäulenabschnitte, die häufig kompensatorisch versteift sind
– Neurodynamische Techniken, wenn der Nerv in seiner Gleitfähigkeit eingeschränkt ist
– Behandlung der begleitenden muskulären Schutzspannung
Zurückhaltung ist geboten bei kraftvollen Impulstechniken direkt im betroffenen Segment, besonders in der akuten Phase.
Klare Grenzen gibt es ebenfalls: Bei zunehmenden Lähmungserscheinungen, bei Taubheit im Reithosenbereich oder bei Störungen der Blasen- und Darmfunktion handelt es sich um einen Notfall, der sofort ärztlich abgeklärt werden muss. Solche Symptome sind kein Fall für Physiotherapie.
Erfreulich ist die Prognose: Die große Mehrheit der Bandscheibenvorfälle bildet sich unter konservativer Behandlung innerhalb weniger Monate deutlich zurück. Entscheidend sind dabei Bewegung in verträglichem Ausmaß und der schrittweise Aufbau der stabilisierenden Muskulatur.